domingo, 27 de septiembre de 2009

HARNONCOURT 13: PORTRÄT

Ein Leben für die Musik
Nikolaus Harnoncourt zum 75.Geburtstag


Er ist einer der ganz Großen der internationalen Musikwelt: Nikolaus Harnoncourt. Der österreichische Dirigent ist ein demokratischer Musiker: Er meint, Musik gehöre zum guten Ton für alle, von Kindesbeinen an. Angefangen hat er bei den Wiener Philharmonikern als Cellist und Spezialist für Alte Musik. Anfang der 70er Jahre begann er als Dirigent das Mammut-Projekt der Einspielung aller Bach-Kantaten und wurde dann zum "bahnbrechenden", jede Routine verabscheuenden Interpreten von Mozart, Beethoven und vielen anderen. Am 6. Dezember wird der Dynamiker 75 Jahre alt

Sein Markenzeichen sind die Flanellhemden, keiner zerlegt die Noten so penibel wie er, sucht nach ihrem wahren Gehalt und keiner ist in der Erfindung von Sprachbildern so fantasievoll wie Nikolaus Harnoncourt. Harnoncourt wird 75 Jahre alt - denkt aber nicht ans feiern. "Ich messe dem überhaupt keine Wichtigkeit bei, denn ich sehe keinen Unterschied zwischen einem 74. und einem 75. Geburtstag", sagt er. "Aber nachdem sich das nun einmal eingebürgert hat..." Bei anderen habe er das auch nicht so gern. "Ich finde, diese großen Geburtstage von Mozart und Bach nicht so toll. Aber er muss das ja nicht mehr selber durchstehen."

Spurensucher & Entdecker

Nikolaus Harnoncourt

Über allem steht die Musik. Wie kein anderer hat sich der in Berlin geborene Grazer immer schon in den Dienst des Komponisten gestellt. Als Spurensucher und Entdecker ungeahnter Tiefen hat sich Harnoncourt, gemeinsam mit Ehefrau Alice Harnoncourt, auf die historische Aufführungspraxis gestürzt und damit auch Debatten hervorgerufen. In seinem 1953 gegründeten Orchester, dem Concentus Musicus, hat der Cellist und Dirigent für seine kompromisslose Musikauffassung bis heute verlässliche Partner gefunden.

Legendär ist sein Monteverdi-Zyklus aus den 70er Jahren und ebenso berühmt ist Harnoncourts feuriger Kampf für die Kunst. "Alles orientiert sich mehr und mehr nach einem Zweck", sagt er. "Die Frage, ob das Ganze einen Sinn hat und ob das Leben reich wird und schön, wird so mit dem Zweck gekoppelt, dass zum Beispiel Wohlbefinden und Wohlstand haben Geld haben heißt. In dieser Gedankenwelt hat die Kunst überhaupt keinen Stellenwert. Das ist einer der fatalsten Irrtümer der letzten 100 Jahre. Ich glaube, dass wir noch nicht so weit sind, dass wir aus diesem Irrtum herausfinden."

Recht auf Musikerziehung
Harnoncourts tiefe Überzeugung ist es, dass Musik Leben prägt und Wesen bildet. Von Kindesalter an sollte man zu Musik verführt werden. Immer wieder unterstützt der Dirigent Projekte, die zu Gründungen von Musikschulen führen und setzt sich für Musikerziehung ein. Kunst sollte nicht Luxus, sondern eine Selbstverständlichkeit sein.

"So wie man heute der Meinung ist, dass jeder Mensch ein Recht darauf hat, rechnen, schreiben und lesen zu lernen und man sagt, das darf niemandem vorenthalten werden, so gibt es genauso das Recht auf Kunst und zwar nicht nur entweder Musik oder Zeichnen, sondern einfach Kunst", meint der Dirigent. "Das gehört dazu, dieses Recht besteht."

Engagierbar für alles
Weit über seine Konzert- und Operntätigkeit hinaus, untergräbt Harnoncourt mit Leib und Seele Mechanismen des Musikbetriebes. Kein Programm ist zufällig, oder auf Quote aus. Ist Harnoncourt noch so umtriebig, vergisst er nie seine Überzeugung und ist sich der Verantwortung, die ihm seine Kunst und Popularität ermöglichen, bewusst. "Ich finde eigentlich schon, dass die Musiker, die die Möglichkeit haben - das sind vor allem die Dirigenten und die Solisten - nicht einfach danach gehen können: Da werde ich bezahlt, dort spiele ich." Engagierbar für alles sollten sie nach Harnoncourt sein, "ohne es anzuschauen, ob es einen Sinn hat oder keinen. Ich glaube, diese Verantwortung haben wir und wir haben sie auch wahrzunehmen."

Harnoncourts Tatendrang ist ungebrochen, sein Mut zum Risiko stärker denn je. Aus der Kraft der Musik schöpft er seinen Idealismus. Und auch als Humanist und Entertainer ist er aus der Musikwelt nicht wegzudenken. "Jede Note muss wissen, woher sie kommt und wohin sie geht", so Harnoncourt, dessen Terminkalender auch für die nächsten Jahre bereits prall gefüllt ist.

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