domingo, 27 de septiembre de 2009

HARNONCOURT 16

Tonangebend in Österreich. Jede Aufführung eine Premiere (8/2004)

Der Kurier feiert heuer seinen 50er und sucht die 50 bedeutendsten Persönlichkeiten der vergangenen 50 Jahre.

Gert Korentschnig (Kurier), 18 August 2004

Man muss, wenn man von den größten österreichischen Dirigenten spricht, Nikolaus Harnoncourt in eine Reihe mit seinen Vorgängern Karajan, Erich und Carlos Kleiber oder böhm stellen - bei aller Unverwechselbarkeit und Einzigartigkeit. Denn Harnoncourt ist stets bemüht, anders zu musizieren, als alle immer schon musiziert haben.

Jede Aufführung, und sei es auch die Hundertste irgendeiner Bach-Kantate, muss bei Harnoncourt klingen, als wäre es eine Premiere oder gar eine Uraufführung. Das größte Gräuel ist ihm die traditionelle Konzertpraxis. Am vordergründigen Schönklang ist er nicht interessiert. Er macht sich bei jedem Werk auf die Suche nach dem Kern. Er stöbert in Archiven, weil er dem jeweiligen Komponisten zu Gerechtigkeit verhelfen will. Er ist eine Art Baumeister, der sich an die Renovierung eines alten Hauses macht und zunächst die Schichten, die mit der zeit auf die Fassade geklebt wurden, abschlägt.

Für manche Konzertbesucher ist Harnoncourt immer noch eine Zumutung, weil sie Musikstücke so hören wollen, wie sie diese seit Jahrzehnten hören. Wenn man sich aber auf das Neue einzulassen bereit ist und die Ohren öffnet für ungewohnt anmutende Premieren, schafft Harnoncourt oft Klangerlebnisse, die in Erinnerung bleiben, bis er dasselbe Werk ein zweites Mal, wieder völlig anders, dirigiert.

Harnoncourt ist ein Pionier der historischen Aufführungspraxis, gründete 1953 mit seiner heutigen Frau Alice, einer Geigerin, den Concentus Musicus. Harnoncourt ist aber auch längst von den Pulten der großen philharmonischen ORchester nicht mehr wegzudenken. So leitete er bereits zweimal das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker und sorgte damit für Sternstunden. Auch die Berliner Philharmoniker empfangen ihn seit 1991 stets mit Applaus - zu Karajans Zeiten war Harnoncourt in Berlin noch nicht geschätzt.

Auch in Salzburg konnte Harnonocurt erst nahc dem Tod Karajans debütieren, zog sich aber 1996 unter Mortier wieder zurück. Seine Rückkehr mit Intendant Peter Ruzicka sollte zum Triumph werden. Seit 2002 sorgt er jeweils für das herausragende Festspiel-Ereignis: „Don Giovanni“, „Titus“ und heuer Purcells „King Arthus“.

Ganz nebenbei ist er einer der besten Gesprächspartner, nicht im geringsten professoral und ein idealer Erzähler von Musik. Wäre er ein paar Jahre jünger (Harnoncourt wird 75) - dann würde bei der Salzburger Intendantensuche kein Weg an ihm vorbeiführen.

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