domingo, 27 de septiembre de 2009

HARNONCOURT: DIE KLANGIDENTITÄT DES ORCHESTERS

Die Klangidentität des Orchesters

Riccardo Chailly sagte einmal, man könne Klangidentität eines Orchesters nur ganz begrenzt ändern, da sie ja an die Musiker gebunden sei. Allerdings könne man das Repertoire erweitern und damit die stilistische Flexibilität der Musiker entwickeln, und er nannte dabei ausdrücklich auch Ihre Arbeit mit dem Concertgebouw Orchester. Aber Sie arbeiten doch eigentlich an der Veränderung des Klangs. Wie lösen Sie dieses Problem der Klangidentität?

Das kann und soll man nicht lösen. Ich habe einen sehr großen Respekt vor der Klangidentität bestimmter Orchester, und dieser Respekt wird immer größer, je mehr sie zu schwinden droht. Das hat sehr viel zu tun mit der Herkunft der Musiker. Ein in Wien oder Prag oder Budapest ausgebildeter Geiger wird fast immer anders spielen als ein Geiger, der in Paris, New York oder Moskau ausgebildet wurde. Doch heute sind die Stellen in den führenden Orchestern zunehmend begehrt, und bei Vakanzen kommen die Musiker von überall her zum Vorspielen. Auch die Dirigenten reisen sehr viel, und wenn sie an einem Ort etwas in einer bestimmten Weise vom Orchester bekommen können, dann verlangen sie das vielleicht auch anderswo. Manchen ist nicht genügend bewusst, wie kostbar die Verschiedenheit ist. Die Nivellierung ist schon sehr weit fortgeschritten, und es besteht die Gefahr, dass von Japan über Amerika bis Russland alle Orchester bald einmal gleich klingen werden. Unter den europäischen Orchestern findet man die ausgeprägtesten Klangidentitäten etwa beim Concertgebouw Orchester, bei den Philharmonikern in Berlin und Wien und vielleicht noch bei der Dresdner Staatskapelle. Ich finde es sehr interessant, ein und dasselbe Stück mit verschiedenen Orchestern zu dirigieren, wobei ich völlig auf deren Identität eingehe. Stilistisch möchte ich keine Kompromisse machen. Aber die klangliche Identität des Orchesters sollte man nicht antasten.

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